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„Do it yourself Homöopathie“ – Über die Selbstmedikation von Haustieren

In dem Bedürfnis sich selbst bei einem bestimmten Leiden möglichst schnell Linderung verschaffen zu wollen, greifen wir oftmals gerne auf rezeptfreie Medikamente aus der Apotheke, Hausmittel oder durch Andere empfohlene Mittel zurück. Das geht schnell und unkompliziert bei einem kleinen Schnupfen, dem unangenehmen Kratzen im Hals, den geröteten und tränenden Augen.
Besonders der Einsatz homöopathischer Mittel erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Auch wenn man die Wirkungsweise der kleinen, weißen Kügelchen nicht so ganz versteht, versucht man es lieber erst einmal „natürlich“, bevor man mit Antibiotika und anderen Medikamenten der Krankheit zu Leibe rückt. Vor allem beim ersten Verdacht einer beginnenden Krankheit, leichten Symptomen und kleineren Verletzungen suchen auch immer mehr Tierbesitzer Hilfe in der Homöopathie. Kaum ein Tierbesitzer kann heute noch berichten, dass sein Tier vollkommen gesund ist. Ganze Aktenordner sind voll von Arztrechnungen, die Küchenschränke voll mit Nahrungsergänzungsmitteln, verfüttert wird nur noch Spezialnahrung … es scheint manchmal, als sei es nahezu eine Universitätswissenschaft, sein Haustier gesund und beschwerdefrei zu halten.
Wie praktisch, dass es auf dem Büchermarkt mittlerweile eine recht stattliche Auswahl an Büchern gibt, die einem für vergleichbar kleines Geld die entsprechenden Mittel zur Selbstmedikation für die häufigsten „kleinen Notfälle“ an die Hand geben. Nicht selten hört man auch von Bekannten, die ihren Tieren sehr erfolgreich homöopathische Mittel verabreicht haben und deshalb auf Mittel X bei Krankheit Y „schwören“.

Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht

Ein gut ausgebildeter Homöopath sieht solche pauschalen Mittelempfehlungen, und seien sie noch so „gut gemeint“, sehr kritisch. Die klassische Homöopathie ist eine sehr anspruchsvolle Heilmethode, die Wahl des Arzneimittels erfolgt höchst individuell aufgrund der jeweiligen Krankheitssymptome. Dazu ist es nicht nur wichtig, die einzelnen homöopathischen Mittel richtig und sorgfältig differenzieren zu können, sondern auch zwingend notwendig, die Besonderheiten der jeweiligen Spezies zu kennen und zu berücksichtigen.

Die „Do it yourself“- Ratgeber enthalten in der Regel nur „Standardrezepte“, deren Wirkung im Einzelfall lediglich zufällig erfolgen kann und auch bei großzügiger Betrachtungsweise von dem Prinzip der Homöopathie so weit entfernt sind wie in etwa wir vom Mars.

Die viel wichtigere Frage ist jedoch, ob man als sich sorgender Tierbesitzer genug Distanz und Objektivität besitzen kann, die Ernsthaftigkeit der Lage und die Schwere der Erkrankung des eigenen Tieres richtig einschätzen zu können. Tiere sind keine Menschen und ein häufiger Husten kann z.B. auf eine ernst zu nehmende Herzerkrankung hindeuten. Die Selbstbehandlung lediglich auf den Husten auszurichten kann im Zweifelsfall ernste Konsequenzen haben.

Viel hilft viel?

Nicht selten kommt es vor, dass bezüglich der Menge und Häufigkeit der Einnahme aus der Medizin bekannte Dosierungen (z.B. 3 Mal am Tag 2 Stück) empfohlen werden. Doch auch hier gibt es in der Homöopathie keine Standardempfehlungen, die Gabengröße und –häufigkeit muss jedes Mal individuell je nach Zustand bestimmt werden. Je nach Reaktion auf das Mittel müssen die Gaben und/ oder ihre Häufigkeit oftmals (Sie ahnen es wahrscheinlich schon: ganz individuell) angepasst werden. Ein Buch oder der „Tippgeber“ kann Ihnen spätestens hier definitiv nicht mehr weiterhelfen. Und entgegen vieler Aussagen ist es ganz und gar nicht egal, ob Sie eine D12 oder eine C30 einnehmen – ebenso wenig wie es egal ist, ob Sie Distelöl oder Motoröl über Ihren Salat geben. Nach fast jedem über Mundpropaganda empfohlenen Mittel („XY hat bei uns super geholfen“) folgt der Satz „und wenn es nicht hilft, schadet es wenigstens nicht“. Ist das wirklich so?

Tatsächlich gibt es mehrere Möglichkeiten, was passieren kann.

Im für den Patienten günstigsten Fall tut sich tatsächlich nichts. Daraus resultieren oftmals Aussagen wie „haben wir auch schon versucht, bringt nichts“. Im ungünstigsten Fall tut sich nur hier und da etwas: die Augen tränen nicht mehr ganz so häufig, die Atmung ist nicht mehr ganz so schwer, der Juckreiz ist nicht mehr ganz so schlimm. So richtig gesund ist der Patient aber nicht. Hier hat möglicherweise eine Unterdrückung statt gefunden, die Krankheit bleibt „im Verborgenen“ weiter bestehen und kann sich verschlimmern.

„Stolperfallen“ bei der Selbstmedikation von Hund und Katze sind also reichlich vorhanden und der falsche Umgang mit homöopathischen Mitteln (und die Möglichkeit einer Verschlechterung) sehr viel wahrscheinlicher als das gewünschte positive Ergebnis.

Gleiches gilt übrigens für die Anwendung sogenannter „Komplexmittel“, welche eine Mischung verschiedener Einzelmittel sind. Die Homöopathie bietet sehr viele, auf Ihre Eigenschaften hin gut geprüfte Einzelmittel, welche die Gabe von Mittelmischungen (deren Wirkung in Kombination eher einer Überraschungstüte gleicht) völlig unnötig machen.

Deshalb sollten Sie die Behandlung Ihres Tieres mit homöopathischen Mitteln einem erfahrenen Therapeuten anvertrauen, welcher die Gesetzmäßigkeiten der Homöopathie kennt, gewissenhaft anwendet und fundiertes Wissen über die jeweiligen Mittel und tierspezifischen Eigenheiten besitzt.

Auch wenn Sie handwerklich begabt sind und Ihr Tier gut kennen, möglicherweise schon "ein halbes Leben" mit Tieren zusammen sind: beschränken Sie Ihre "Do it youself"- Aktivitäten auf andere Dinge. Ihr Therapeut kann Sie hinsichtlich einer Notfall- oder Reiseapotheke ebenfalls kompetent beraten und anleiten, so dass Sie auch für Notfälle Ihres Tieres gut gerüstet sind.

 


Falls Sie weitere Fragen haben oder Unterstützung benötigen, nehmen Sie bitte Kontakt zu mir auf. Ich berate Sie gerne gerne auch zu anderen Fragen rund um die Ernährung Ihres Tieres.

Bei Interesse veranstalte ich auch gerne Seminare zum Thema "Homöopathische Hausapotheke", mehr Informationen dazu finden Sie hier. Wenn Sie über kommende Veranstaltungen informiert werden möchten, schreiben Sie mir bitte eine E-Mail.

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